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Psychiatrie, Psychotherapie & Psychosomatik

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Psychotherapie und Psychosomatik

Warum stationäre Psychotherapie?

Wenn psychische und soziale Belastungen so krank machen, dass der Alltag auch mit Unterstützung durch niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten nicht mehr bewältigt wird, kann eine stationäre psychotherapeutisch-psychosomatische Behandlung neue Perspektiven schaffen. Das Klinikum Heidenheim bietet hierfür auf der Station 43 in einer kleinen spezialisierten Einheit  11 Therapieplätze in schön gestalteten Zweibettzimmern an.

Die psychotherapeutisch-psychosomatischen Einheit ist bewusst in das Allgemeinkrankenhaus integriert, weil unsere Patienten dadurch fundiert durch die körpermedizinischen Fachdisziplinen mitbehandelt werden können. Wir haben nicht nur psychotherapeutische, sondern auch profunde psychiatrische Erfahrung: Psychopharmaka empfehlen wir deshalb – wenn überhaupt – nur gezielt und so sparsam wie möglich. Auch schwierige Krisen bewältigen wir durch die verläßliche Beziehung gemeinsam mit unseren Patienten auf unserer Station. Die Stationstür ist offen. Wer möchte, kann zwischen den Therapieeinheiten in den Wildpark oder in die Stadt gehen.

Körperliche Leiden mit psychotherapeutischen Mitteln  lindern

Willkommen sind auch Menschen, die klären möchten, ob Wechselwirkungen zwischen seelischem und körperlichem Erleben bei ihrer Krankheit eine Rolle spielen und die skeptisch sind, ob ihnen anders als durch Medikamente oder durch eine Operation geholfen werden kann. Gemeinsam können wir nach Möglichkeiten suchen, die Beschwerden selber zu beeinflussen und für die körperlichen Beschwerden erst einmal Worte zu finden.

Integratives Behandlungskonzept – Individuelle Therapieplanung

Ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Pflegemitarbeitern, Fachtherapeuten und einem Sozialarbeiter ist bemüht um eine wohlwollende, familiäre therapeutische Gemeinschaft auf der Station, in der Wunden vernarben und Neues wächst. Wir sind nicht einer psychotherapeutischen Ausrichtung verpflichtet. Allein schon die Zusammenarbeit von Therapeuten mit verschiedenen Ausbildungen in unserem Team legt ein integratives Behandlungskonzept nahe. Für jeden einzelnen Patienten kombinieren wir erprobte Behandlungstechniken aus den verschiedenen therapeutischen Schulen, so dass sie sich hilfreich ergänzen.

Krankheit als Beziehungsstörung

Ein Schwerpunkt unseres Konzeptes ist die psychodynamische Psychotherapie. Sie versteht als Ursache seelischer und vieler körperlicher Erkrankungen unbewusste Konflikte. Beispielsweise kann solch ein Konflikt bestehen aus einem inneren Widerstreit zwischen Wünschen unabhängig und selbständig zu sein auf der einen Seite und Wünschen, von anderen abhängig zu sein und geliebt zu werden auf der anderen. Die ungelösten Konflikte haben ihren Ursprung in Beziehungen zu wichtigen Menschen der Kindheit und Jugend. Krankheitssymptome sind in dieser Sichtweise Versuche, diese unbewussten Konflikte so gut wie bislang möglich zu lösen.

Um einen Menschen in die Lage zu versetzten, neue und konstruktivere Lösungen für sich zu finden, muss er in der Therapie zunächst einmal erkennen, an welchen nur unzureichend gelösten unbewussten Konflikten er leidet. Dann müssen ihm Möglichkeiten geboten werden, neue korrigierende emotionale Erfahrungen mit Anderen  zu machen, durch die er für ihn ungünstige Verhaltensmuster verbessern kann. Dies wird möglich durch eine „Re-Inszenierung“. Darunter verstehen wir, dass die bislang unbewussten Konflikte sich in den verschiedenen Beziehungen zu den Personen des therapeutischen Teams und zu den Mitpatienten wie auf einer „Bühne“ wiederholen. Auf diese Weise können sie wieder erlebt und gemeinsam mit den Therapeuten untersucht werden. So können sie schließlich  angemessener als zuvor bewältigt werden.

Der Hilfesuchende muss aber auch Unterstützung erfahren, wenn er neue Bewältigungsstrategien erlernen möchte oder neue, für ihn günstigere Verhaltensweisen. Dem wird unser weiterer Behandlungsschwerpunkt gerecht, die Verhaltenstherapie. Spezielle Module erlauben es z.B. gezielt Ängste, Zwänge oder selbstschädigendes Verhalten abzubauen, das Ernährungsverhalten zu verändern und im Alltag selbstsicherer zu werden.

Patienten mit psychosomatischen Krankheitsbildern konnten häufig in ihrer frühen Kindheit weder ausreichend lernen, zwischen ihren Gefühlen und den zunächst körperlich empfundenen Missempfindungen zu unterscheiden noch sich selbst zu beruhigen. So teilen sie sich uns auch als Erwachsene noch über körperliche Beschwerden mit, die es gemeinsam mit ihnen erst in Sprache zu übersetzen gilt. Praktische Übungen und Informationsvermittlung  über die Wechselwirkungen zwischen seelischen und körperlich-organischen Abläufen sind hier besonders wichtig.

 

Diagnostik

Zu Beginn der Behandlung führen wir ein ausführliches diagnostisches Erstinterview, das wir durch ein Fragebogeninventar sowie im Einzelfall durch psychologische Testuntersuchungen ergänzen. Jeder Patient wird umfassend körperlich untersucht. Sofern noch nicht vor der Aufnahme geschehen, werden fachärztliche und technische Zusatzuntersuchungen im Hause durchgeführt.

 

Einzelpsychotherapie – die sichere Basis

Im besonders geschützten Rahmen des Einzelgespräches kann Belastendes erstmals anvertraut werden. Falls bei einem Patienten ein verhaltenstherapeutisches Übungsprogramm durchgeführt wird, werden in der Regel die ersten Minuten der Therapiesitzung dazu verwendet um das Verhaltenstagebuch gemeinsam durchzusehen und Fortschritte und Probleme bei den Übungen zu besprechen. Für Patienten mit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung („Borderlinestörung“) bieten wir Elemente der Dialektisch Behaviouralen Therapie nach Marsha Linehan an.

 

Gruppenpsychotherapien – Welt im Kleinen und straffreies Experimentierfeld

Gerade die Psychotherapiegruppen bieten die Möglichkeit, die Beziehungsgestaltung zu Anderen zu untersuchen und zu verbessern. Die Menschen, die zu uns kommen, stellen in den Therapiegruppen fest, dass ihre Mitpatienten an ähnlichen Problemen leiden wie sie selbst und können von deren Erfahrungen profitieren. Umgekehrt erleben sie es als wohltuend, dass sie für andere hilfreich sein können, auch wenn es ihnen selber noch nicht so gut geht. Indem sie andere um Rückmeldungen bitten und durch die Hinweise vom Therapeuten entstehen Anregungen für neue, für sie befriedigendere Verhaltensweisen. Diese können sie in den Therapiegruppen und in der therapeutischen Gemeinschaft auf der Station erproben, ohne dass es für ihr Alltagsleben gleich Konsequenzen hat, wenn einmal etwas „schief geht“.

 

Gruppengesprächspsychotherapie – Vertrauen zu anderen lernen

Sich persönlich mit seiner Not, aber auch mit spontan entstehenden Gedanken und Gefühlen einzubringen in die Gesprächstherapiegruppe - trotz aller Ängste und Scham - erfordert ohne Zweifel viel Vertrauen zu den anderen Gruppenmitgliedern. Die Teilnehmer verpflichten sich deshalb zur Schweigepflicht: Alle persönlichen Informationen, die in der Gruppe bekannt werden, dürfen weder gegen Gruppenmitglieder verwendet werden noch weitergegeben werden an Außenstehende oder an andere Patienten der Station. Um Vertrauen in der Gesprächstherapiegruppe entstehen zu lassen ist es wichtig, positive Rückmeldungen zu erhalten und anderen zu geben für Verhaltensweisen, die angemessen sind, erst recht, wenn ein Mitpatient sich gerade erst bemüht, sie neu zu entwickeln. Wertvoll ist aber auch Kritik an unangemessenen, unangenehmen Verhaltensweisen, so lange sie mit der Absicht geäußert wird, einem anderen Menschen zu helfen mit sich und anderen besser zurecht zu kommen.


Soziales Kompetenztraining, Selbst-Sicherheitstraining

Im Gruppentraining sozialer Kompetenzen nach Pfingsten und Hinsch lernen unsere Patienten, eigene Wünsche und Bedürfnisse, aber auch die von anderen wertzuschätzen. In einfachen Übungen gelingt es, angemessenes Auftreten von Unterwürfigkeit, aber auch von aggressiven Forderungen zu unterscheiden und wichtige Gespräche, z.B. am Arbeitsplatz oder mit Angehörigen erfolgreicher zu gestalten.

 

Erlebnis- und ausdrucksorientierte Therapiegruppen – Gefühle entdecken

Für die Teilnahme an der Ergotherapie, der Kunsttherapie und der Musiktherapie sind – wie bei allen Psychotherapieformen - keine Vorkenntnisse erforderlich. Gemeinsam ist ihnen die Möglichkeit sich nonverbal, d.h. ohne Worte auszudrücken. Abseits von Leistungsnormen können im spielerischen Umgang mit Materialien bzw. Tönen eigene Gefühle, Bedürfnisse und Möglichkeiten besser kennen gelernt werden. Mit Unterstützung durch die Gruppe und die Therapeutinnen können in einem zweiten Schritt für die ausgedrückten Befindlichkeiten und vorsprachlichen Erinnerungen Worte gefunden werden. Das Genusstraining schafft für viele Patienten wieder einen – oftmals lange verschütteten – Zugang zu positiv-sinnlichem Erleben.


 

Körpertherapien

Insbesondere psychosomatisch Kranke profitieren von unseren körperzentrierten Behandlungsangeboten, weil sie dort lernen können, Gefühle wahrzunehmen und von Körperempfindungen zu unterscheiden. Indem wir an körpereigene Ressourcen heranführen, kann der Kranke Erfahrungen machen, dass nicht jede Körperwahrnehmung gleich Krankheitswert hat und kann wieder mehr Vertrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit gewinnen.

Auf der Basis der anthroposophischen Menschenkunde wurde die Bothmer-Gymnastik in Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner entwickelt. Abgeleitet vom klassischen griechischen Fünfkampf (Laufen, Springen, Ringen, Diskus- und Speerwerfen) beinhaltet jede der in sich geschlossenen Übungen Statik und Dynamik, Schwere und Leichtigkeit sowie Anspannung und Loslassen im Stehen und im Gehen. Die drei Dimensionen des Raumes (vorne-hinten, oben-unten und rechts-links) werden jede für sich aktiv ergriffen und gestaltet. Indem die Teilnehmer die Gesetzmäßigkeiten des Raumes erleben, machen sie nicht nur neue Sinneserfahrungen, sondern können durch die neue Körperorientierung einen zielgerichteten Weg zur eigenen körperlich-seelischen Mitte finden.

Bei der Progressiven Muskelrelaxation nach Jakobson können Muskelverspannungen bewusst gemacht und gezielt und ohne fremde Hilfe gelöst werden.  Mit ihrer Hilfe lernen unsere Patienten Ängste abzubauen, Alltagsstress gelassener zu bewältigen und Schmerzen zu vermindern.

Ergänzend setzen wir physikalische Therapien ein (z.B. Massagen, Bäder, Reizstrombehandlung, Fango), Physiotherapie und Sporttherapie (Bogenschießen, Konditionstraining).

 

Ergänzende Therapieangebote

Paar- und Familiengespräche

Sozialberatung

Ernährungsberatung

Planung der stufenweisen Wiedereingliederung am Arbeitsplatz

 

Pflege in der Psychotherapie und Psychosomatik

Unsere Patienten werden durchgehend von Krankenpflegemitarbeitern begleitet. Sie sind erste Ansprechpartner, wenn es um das Befinden geht oder um Fragen und Anliegen, die Organisationsabläufe betreffen. Speziell geschult begleiten sie die ersten Schritte bei unseren verhaltenstherapeutischen Behandlungsmodulen mit. Weil sie im Stationsalltag durch die Morgenrunden und durch tägliche Pflegegespräche einen intensiven Kontakt zu unseren Patienten pflegen, sind ihre Erfahrungen und Beobachtungen von Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten der Patienten für das therapeutische Team besonders wertvoll.

 

Aufnahme auf die Station für Psychotherapie und Psychosomatik

Wir führen ein oder zwei ambulante diagnostische Vorgespräche um zu klären, ob eine psychotherapeutisch-psychosomatische Behandlung in unserer Klinik erfolgversprechend ist. Dazu benötigen wir eine Überweisung durch den behandelnden Haus- oder  Facharzt oder eine Konsilanforderung durch den Arzt einer Klinik. Die Aufnahme erfolgt dann innerhalb von wenigen Wochen, in begründeten Einzelfällen innerhalb weniger Tage. Die Behandlungsdauer ist abhängig vom Störungsbild und den persönlichen Zielen unserer Patienten und liegt erfahrungsgemäß zwischen 4 und 12 Wochen.

 

Anmeldung und weitere Informationen:

Nina Doian

Oberärztin Psychotherapie

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Schlosshaustr. 100

89522 Heidenheim

Telefon: 07321 – 33 24 52

Telefax: 07321 – 33 24 53

 

Welche Krankheitsbilder können wir behandeln?

 

.         Psychische Störungen

Angststörungen, Zwangserkrankungen, depressive Störungen

·        Anpassungs- und Belastungsstörungen

nach einer Trennungs- oder Verlustsituation, bei Mobbing, nach einer plötzlichen schweren Krankheit, aber auch nach sexueller Traumatisierung oder nach Gewalttaten

·        Somatoforme Störungen

z.B. funktionelle Herz- und Kreislaufbeschwerden, funktionelle Beschwerden der Verdauungsorgane, anhaltende Schmerzstörungen

·        Persönlichkeitsstörungen

Krisenhafte Zuspitzungen bei Persönlichkeitsstörungen (abhängige, selbstunsichere, ängstlich-vermeidende, narzisstische oder emotional instabile Persönlichkeitsstörungen)

·        Essstörungen

funktionelle Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adipositas

·        Gestörte Krankheitsverarbeitung

bei zunächst überwiegend körperlichen Erkrankungen (z.B. seelische Probleme bei einer Krebserkrankung)

 

·        Chronische körperliche Leiden und „klassische“ psychosomatische Erkrankungen

(z. B. entzündliche Darmerkrankungen, Hauterkrankungen), bei denen psychosoziale Faktoren den Behandlungserfolg behindern

·        Selbstschädigendes Verhalten

im Rahmen von Persönlichkeitsstörungen oder nach Traumatisierungen

Kontraindikationen:

Nicht in die Psychotherapieeinheit aufnehmen können wir Menschen mit Erkrankungen, die einhergehen mit anhaltender Suizidgefährdung, erheblichem Realitätsverlust (akute Psychosen) oder stoffgebundener Sucht (Alkohol-, Opiat- oder Medikamentenabhängigkeit). Für sie gibt es in den anderen Bereichen unserer Klinik geeignetere Behandlungsmöglichkeiten. Auch Jugendliche unter 18 Jahren nehmen wir nur in begründeten Einzelfällen auf.

 

Was ist Psychotherapie?

 

„Psyche“ ist das griechische Wort für Seele, „Therapie“ bedeutet Krankenbehandlung. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet der Begriff Psychotherapie deshalb zweierlei:

 

Zum einen meint er die Behandlung der Seele bzw. von seelischen Problemen. Dies können z.B. Ängste, Depressionen oder Hemmungen sein.

Zum anderen meint Psychotherapie eine Behandlung mit "seelischen" Mitteln, im Gegensatz zu beispielsweise einer Behandlung mit Medikamenten oder zu einer Operation.

Psychotherapie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns. Dazu zählen psychische Störungen wie Ängste, Depressionen, Essstörungen, Verhaltensstörungen, Süchte und Zwänge.

Eine Mitbehandlung mit seelischen Mitteln, d.h. eine Psychotherapie kann aber auch da hilfreich sein, wo körperliche Beschwerden seelisch mitverursacht sind oder wo körperliche Krankheiten zu seelischen Belastungen führten. Den Wechselwirkungen und den sich daraus ergebenden Behandlungsmöglichkeiten zwischen Seelischem und körperlichen Beschwerden widmet sich als medizinische Spezialdisziplin, die Psychosomatik.

Wann ist eine Psychotherapie ratsam?

Wer von seelischen Problemen geplagt wird und diese alleine nicht in den Griff bekommt, sollte sich ebenso wenig wie bei körperlichen Erkrankungen scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die gilt natürlich vor allem dann, wenn sich die psychische Störung schon über längere Zeit hinzieht oder wenn sie sich mehr und mehr verschlimmert. Für den Erfolg einer Therapie ist es bedeutsam, dass der Betroffene ernsthaft dazu bereit ist, sich mit seinen eigenen Anteilen an den Problemen auseinander zusetzen und an deren Beseitigung - unterstützt durch den Psychotherapeuten - mitzuarbeiten.